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Nördlich von Sardinien, zwischen der Gallura-Küste und der Straße von Bonifacio, liegen die Inseln des La-Maddalena-Archipels. Türkisfarbenes Wasser, helle Granitfelsen und duftende Macchia prägen die Landschaft, doch jede Insel hat ihren eigenen Charakter. Während La Maddalena und Caprera über Straßen erreichbar sind, führen zu Spargi, Budelli und Santa Maria vor allem Bootstouren. Wer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erleben möchte, sollte deshalb Stadtbesichtigung, Wanderungen und Ausflüge auf dem Wasser miteinander verbinden.
La Maddalena und Caprera jenseits der Strände
Der Rundgang über La Maddalena beginnt am Hafen Cala Gavetta, wo Fischerboote vor pastellfarbenen Häusern liegen. Von dort führen schmale Gassen zur Kirche Santa Maria Maddalena und zu kleinen Plätzen mit Cafés und Geschäften. Das historische Zentrum erzählt vom Alltag einer Insel, die wegen ihrer Lage zwischen Sardinien und Korsika lange militärisch bedeutsam war. Außerhalb des Ortes folgt die Panoramastraße der Küste und erschließt sehr unterschiedliche Buchten. Punta Tegge lockt mit flachen Granitplatten und weitem Blick über das Meer, Cala Spalmatore liegt geschützter, während Bassa Trinita für ihren hellen Sand und die Dünen bekannt ist. An der Cala Francese erinnern ehemalige Steinbrüche daran, wie eng die Geschichte der Insel mit dem Granit verbunden ist.
Über eine Brücke gelangt man nach Caprera, wo Pinienwälder, mediterrane Sträucher und Wanderwege das Bild bestimmen. Zu den reizvollen Zielen gehört Cala Napoletana mit ihrem klaren Wasser und den Felsen entlang der Küste. Daneben besitzt die Insel ein bemerkenswertes historisches Denkmal: das Compendio Garibaldino. In dem Anwesen lebte Giuseppe Garibaldi von 1856 bis zu seinem Tod im Jahr 1882. Seine Wohnräume, persönliche Gegenstände und die Grabstätte lassen den italienischen Freiheitskämpfer abseits der großen politischen Ereignisse kennenlernen. Für den Besuch des historischen Wohnhauses auf Caprera empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung, da nur eine begrenzte Zahl von Gästen pro Zeitfenster eingelassen wird. Der reguläre Eintritt kostet acht Euro, während für das benachbarte Memoriale sechs Euro verlangt werden. Ein Kombiticket für beide Museen ist vor Ort für zwölf Euro erhältlich. So lässt sich ein Spaziergang durch die Natur mit einem konkreten Einblick in die Geschichte der italienischen Einigung verbinden.
Spargi, Budelli und Santa Maria vom Wasser aus
Spargi gehört zu den eindrucksvollsten Stationen einer Bootsfahrt durch den Archipel. An der Südküste liegt Cala Corsara, eine Folge kleiner Sandstrände zwischen hellen Granitblöcken, die Wind und Wetter über Jahrtausende geformt haben. Unter Wasser sorgt der sandige Meeresboden für leuchtende Türkistöne, an Land wächst dichter mediterraner Buschwald. Auch Cala Soraya und Cala Granara sind beliebte Ziele, sofern Wind und Seegang eine sichere Anfahrt zulassen. Santa Maria wirkt dagegen sanfter: Die Insel besitzt einen langen Sandstrand und flach abfallendes Wasser. Das benachbarte Razzoli zeigt sich rauer, mit zerklüfteten Felsküsten und einer Landschaft, die den Winden der Straße von Bonifacio ausgesetzt ist.
Besondere Aufmerksamkeit verdient Budelli. Die berühmte Spiaggia Rosa mit ihrem rosafarbenen Sand verdankt ihre Farbe winzigen Fragmenten von Schalen und Meeresorganismen. Weil der empfindliche Küstenabschnitt streng geschützt ist, dürfen Besucher den Strand nicht betreten oder dort baden. Auch das Befahren und Ankern im geschützten Meeresstreifen vor der Küste ist untersagt. Die Aussicht lässt sich nur aus zugelassenen Bereichen genießen. Zwischen Budelli, Santa Maria und Razzoli liegt zudem das Gebiet Porto Madonna, dessen flache Meeresstellen oft als natürliche Schwimmbecken bezeichnet werden. Welche Abschnitte Boote anfahren dürfen, hängt allerdings von den Schutzbestimmungen ab. Die drei benachbarten Inseln lassen sich bei geeigneten Wetterbedingungen gut auf einer gemeinsamen Tagesroute erleben, wobei der Zugang zu einzelnen Buchten eingeschränkt sein kann. Die Insel Santo Stefano erinnert mit früheren militärischen Anlagen daran, dass der Archipel nicht nur ein Naturparadies, sondern über lange Zeit auch ein strategischer Stützpunkt war.
Fähren, Bootstouren und Naturschutz richtig planen
Die Anreise erfolgt meist über den Hafen von Palau auf Sardinien. Von dort benötigen Fähren nach La Maddalena ungefähr 15 bis 20 Minuten; je nach Verbindung können auch Autos, Motorräder oder Fahrräder mitgenommen werden. Fahrpläne und Ticketpreise ändern sich nach Saison und Fahrzeugtyp. Für Fußgänger sind einfache Überfahrten teilweise für weniger als zehn Euro erhältlich, während eine Mitnahme des Autos zusätzliche Kosten verursacht. Wer mehrere Tage bleibt, kann im Hauptort übernachten und Caprera unabhängig von den Ausflugsbooten erkunden. Für die weiter entfernten Inseln sollte mindestens ein ganzer Tag eingeplant werden, zumal nicht jede Tour die gleichen Badepausen und Anlandungen vorsieht.
Bei organisierten Ausflügen liegen die Einstiegspreise häufig zwischen 40 und 60 Euro pro Erwachsenen, wobei Saison, Abfahrtsort und Leistungen den Endpreis beeinflussen. Eine Fahrt zu Spargi, Budelli und Santa Maria lässt sich beispielsweise über giteinbarca.com organisieren. Entscheidend sind bei der Auswahl vor allem die geplanten Stopps, die tatsächliche Aufenthaltsdauer und mögliche wetterbedingte Änderungen. Auch der Naturschutz bestimmt den Reiseverlauf. Auf Caprera sind die Wanderwege zu Cala Coticcio und Cala Brigantina nicht frei zugänglich. Erforderlich sind eine zugelassene Wanderführung und eine Umweltabgabe von drei Euro an den Nationalpark, die zusätzlich zum Honorar des Guides anfällt; Kinder bis einschließlich zwölf Jahre sind davon befreit. Für Bootsfahrten gelten wiederum besondere Regeln zum Befahren, Ankern und Anlegen. Vor dem Mieten eines Bootes lohnt es sich daher, die aktuellen Parkvorschriften zu prüfen. Gerade im Hochsommer empfiehlt sich außerdem eine frühe Buchung, denn die beliebtesten Touren sind rasch ausgelastet.
Mehr erleben, ohne jede Insel abzuhaken
Zwei bis drei Tage reichen aus, um den Hauptort, die Naturlandschaften Capreras und einen Bootsausflug miteinander zu verbinden. Außerhalb der Hauptferienzeit bleiben die Buchten oft ruhiger. Der schönste Eindruck entsteht ohnehin nicht durch möglichst viele Stopps, sondern durch genügend Zeit an den Orten, die das Archipel so unverwechselbar machen.
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